Mit dem Kopf, Knie oder Fuß - Volleyfußball ist nicht so einfach. Das Spiel funktioniert wie Volleyball, nur eben mit einem Fußball. Ziel ist es, den Ball übers Netz zu bekommen, ohne dass er den Boden berührt. An diesem Donnerstagnachmittag funktioniert das im Erfurter Norden eher mäßig. Immer wieder rollt der Ball vom Spielfeld oder verfängt sich im Netz.
Jede Woche spielen die Studenten Benny Linse, Benni Grünewald und Andreas Vockel von Spirit of Football auf dem Riethsportplatz mit bis zu 25 minderjährigen Geflüchteten Fußball. Volleyfußball ist da eine beliebte Übung zum Einstieg, bevor es richtig losgeht. „Manchmal kann das ziemlich stressig werden mit so vielen Jungs, aber es macht richtig Spaß", findet Vockel. Wichtig ist für ihn, dass die Jungs richtig trainieren und Übungen ausführen, statt einfach nur drauf los zu kicken.
Der 15-jährige Saady Essa kommt aus Syrien und ist fast immer mit dabei. Die Aufwärmübungen gefallen ihm sogar besser als die eigentlichen Spiele. „Fußball macht nur Spaß, wenn ich gut bin", meint er. Heute sei nicht so ein guter Tag, fügt er noch hinzu, aber dabei grinst er breit. Für ihn ist Fairplay und Respekt besonders wichtig. Bei Spirit of Football haben ein faires Spiel und Toleranz immer einen hohen Stellenwert. Das sieht man auch auf dem Platz. Nach Fouls entschuldigen sich die Jungs beieinander, vor und nach dem Spiel geben sich alle die Hand, keiner wird für einen verpatzten Pass oder einen schlechten Schuss ausgelacht.
Anfangs war die Kommunikation in der Gruppe schwierig. Viele der Geflüchteten verstanden weder Deutsch noch Englisch. Bei Schnee und Minusgraden kamen die Jungs im Winter einmal mit kurzen Hosen und T-Shirts zum Training, weil sie die Nachrichten zu warmer Kleidung in der WhatsApp-Gruppe nicht verstanden hatten. Inzwischen ist das einfacher geworden. Auf der einen Seite ist Sport ideal, um Sprachbarrieren zu überwinden. „Wir machen Übungen immer vor, das reicht dann und funktioniert ohne viele Worte“, erklärt Vockel. Auf der anderen Seite sprechen viele der Geflüchteten inzwischen schon gut Deutsch und helfen sich gegenseitig. Wenn die Studierenden Anweisungen erteilen und nicht sofort alles klar ist, ruft bald jemand die französische oder arabische Übersetzung übers Spielfeld.
Weil gerade Ramadan ist, sind nicht ganz so viele Spieler da. Bei knapp unter 30 Grad ist es vielen ohne zu trinken zu heiß. Die Jungs auf dem Rasen sind bei dem Wetter auch etwas unkonzentriert. Ein weiterer Ball fliegt ins Nichts. Das ist nicht schlimm. Wichtiger ist es hier, Menschen durch Sport zusammen zu bringen und zwischenmenschliche Grenzen zu überwinden. Gewinnen kommt erst danach.
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